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PRESSESPIEGEL

PRODUKTIONEN > EIN ABEND MIT WILHELM BUSCH

Cannstatter Zeitung, 23.01.08


Wilhelm Buschs knitze Lebensgeschichte
Bad Cannstatt: Literarisches Theater von Naemi Zoe Keuler im kommunalen kontakt Theater unterhielt köstlich - Weitere Vorstellungen

Vor 100 Jahren, am 9. Januar 1908, ist Wilhelm Busch gestorben. Deshalb widmete das kommunale kontakt
Theater ihm einen Abend. Sie wollten auf kurzweilige Art sein Leben und sein Werk vorstellen. Es sollte
keine lehrhafte Lesung werden, sondern ein unterhaltsames Schauspiel. Also machte sich die Regieassistentin des Wilhelma-Theaters, Naemi Zoe Keuler daran, aus Buschs Werken,persönlichen Dokumenten, sowie Biographien über ihn, ein dramatisches Werk zusammenzubauen und mit Karsten Spitzer als Akteur in Szene zu setzen als literarisches Theater. So entstand ein köstliches Schauspiel, das am Freitag fröhlich Premiere feierte.

Den schwarz ausgeschlagenen Bühnenraum beherrschte eine mannshohe Staffelei, an die Karsten Spitzer als Wilhelm Busch im lockeren weißen Künstlerhemd und mit breitkrempigem Hut trat. Er stürzte sich mit Eifer in die Arbeit, bis seine aufsteigende Begeisterung über die skurrile Gestalt, die er vor Augen hatte, ihn dazu brachte, sich lachend auf dem Boden zu wälzen. Und um das Publikum an dem Spaß teilhaben zu lassen, springt er auf und inszeniert anschaulich die Pusterohrattacke des Franz auf den Brezen essenden Herrn Bartelmann, der mit ebenbürtiger Hinterhältigkeit dem Lausbuben das Rohr in den Schlund haut. Die erbarmungslos gerechte Lustigkeit der Busch-Geschichten hatte zum ersten Mal zugeschlagen.
Der Prolog war vorüber, die Lebensgeschichte konnte beginnen. Mit blitzschnell springender Mimik und Stimmlage erzählte Spitzer im Dialog mit sich vom Knaben Busch, der den Kirchenschlüssel als Schießzeug erprobte und der später, entgegen seinem kantischen Selbstbestimmungsdrang, aufs Polytechnikum in Hannover gehen musste und danach ausbrach in die Bohemewelt der Kunstakademien.

Auf augenfällige Weise gelingt es Naemi Zoe Keuler, die seit ihrem elften Lebensjahr Theater spielt, aber jetzt nach dem Studium lieber Regie führt, die Sprünge in Buschs Künstlerpersönlichkeit herausspielen zu lassen: das Leiden an der eigenen Unzulänglichkeit angesichts der holländischen Meister und sein Aufbegehren gegen den christlichen Kitsch der Professoren. Eingebettet in die Biographie blitzten immer wieder Kabinettstückchen aus den altbekannten Bildergeschichten auf, etwa als Fingerpuppenspiel von Franz und Fritz in der Badewanne oder als Brathuhnangelei auf Witwe Boltes Dach, bei der Spitzer rittlings auf der laubbekränzten Bockleiter saß. Aber der wendige Schauspieler beherrschte auch die elegischen Töne, etwa bei dem anrührenden Nachruf auf Buschs Schwester. Und beim Wutausbruch des alternden Künstlers über das Rauchverbot in Zügen (1892!) wusste der Zuschauer wirklich nicht, ob der auf dem Boden herumrollende Apfel zufällig zu Brei zertreten wurde oder als Symbol für. Buschs diebischen Spaß
an fremdem (und eigenem) Missgeschick.

Es war ein erfrischender Abend, der mit wohlverdientem Applaus ausklang.

Eine Rezension von Rolf Wenzel

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Ludwigsburger Kreiszeitung, 03. März 2008

Der Märchensammler und Frauenheld

Karsten Spitzer zeigt einen wenig bekannten Busch

Wilhelm Busch schaute am Samstagabend im Glasperlenspiel in Asperg vorbei - in Person von Schauspieler Karsten Spitzer, der ebenso pointiert wie einfühlsam das bewegte Leben eines der bedeutendsten
humoristischen Dichter Deutschlands Revue passieren ließ.

Der erste Eindruck beim Blick auf den Titel "Ein Abend mit 'Wilhelm Busch" mag täuschen:
Es handelte sich nicht um eine reine Lesung oder Zusammenstellung von Busch-Texten, sondern vielmehr um ein klug durchdachtes, sensibel komponiertes Solo-Schauspiel.

Ausflug ins Unbekannte


Autorin und Regisseurin Naemi Zoe Keuler hat fast ein Jahr lang für das Stück recherchiert,in Archiven gekramt, Briefe von Busch studiert und so zum Teil nicht bekannte Details aus dessen Leben in ihrem Stück verarbeitet. Für die zahlreichen Zuschauer war es also auch ein Ausflug ins Unbekannte, Faszinierende.
Busch, wie er leibte und lebte, aufgearbeitet mit Hilfe von Gedichten, Tagebucheinträgen und biografischen Elementen.

Karsten Spitzer hatte die Rolle des großen deutschen Künstlers (1832-1908) übernommen und mit viel feinfühligem Gespür die emotionalen Momente und Verwirrungen im Leben von Wilhelm Busch aufgearbeitet.
Da waren natürlich auch die populären Klassikerdabei wie "Max und Moritz", "Franz, und Fritzen" beim Baden ("Die Reinlichkeit, das ist kein Scherz") oder Ausschnitte aus der "frommen Helene", die ebenso in das Schasupiel eingebettet waren bettet waren, wie auch weniger bekannte Figuren, wie "Herr
Bartelmann" . Viele persönliche Texte Buschs zeichneten das Bild eines schrägen, teils skurrilen Mannes mit vielen Ecken und Kanten.
Unterhalten und gleichzeitig bilden sollte und wollte das Schauspiel. "Wir zeigen auch Seiten von Busch, die man sonst kaum kennt" - wie beispielsweise die Selbstzweifel an seiner Arbeit ("Beim Faust da wird gestorben. Beim Busch da lacht man sich tot").

Kant und Schopenhauer

Diesem Anspruch ist Spitzer gerecht geworden - nicht zuletzt auch dank der ausgewogenen Vorlage des Drehbuchs von Naemi Zoe Keuler. Sozialhistorisch interessant setzte sich das Schauspiel mit Fragen der Literatur, Gesellschaft und Geschichte des 19. Jahrhunderts auseinander. Philosophische Gedanken mischten sich darunter. Busch hat beispielsweise Kant und Schopenhauer geliebt. Das war nur eines der vielen, weniger bekannten Elemente, die ein spannendes Kennenlernen des Menschen Wilhelm Busch ermöglichten. Wer weiß schon, dass er über 2000 Ölgemälde kreiert hat, wie die Brüder Grimm Märchen und Sagen
sammelte, oder in Liebesdingen kaum etwas hat anbrennen lassen - obwohl Busch selbst nie verheiratet wär. Er lebte mit seiner Schwester zusammen und mochte es nicht, wenn er "mit dem Pöbel" in einer Fahrkartenschlange stehen musste.

All das vermittelte Spitzer in dem Solo-Schauspiel ebenso behutsam wie auch forsch zugespitzt. Es waren fundierte, unterhaltsame 90 Minuten auf den Spuren des Dichters, die das Publikum im Glasperlenspiel mit viel Beifall bedachte.


Eine Rezension von Stefan Friedrich


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