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PRESSE

PRODUKTIONEN > PRODUKTIONEN MIT DER THEATERGRUPPE DER UNIVERSITÄT HOHENHEIM > MOBIL

DAS LEBEN IST EIN TELEFONGESPRÄCH
Die Theatergruppe der Universität Hohenheim spielt Sergi Belbels Telefonkomödie "Mobil"

Hohenheim. Ein Handy als Abschiedsgeschenk. Ein Handy als Lebensretter. Ein Handy als Wurfgeschoss. Ein Handy zum Anschreien. Ein Handy zum Anheulen. Ein Handy zum Beenden der Beziehung. Handys sind immer und überall in Sergi Belbels Telefonkomödie "Mobil". Bis die Bombe hochgeht und das Leben beginnt.

Rosa kann ihre Mutter nicht erreichen. Und das Telefonat mit ihrem Exfreund gerät zum Fiasko. Ihrer Mutter Sara hat deren Handy das Leben gerettet. Sie versuchte gerade, sich auf dem Flughafen einen guten Empfang zu verschaffen, als dort, wo sie noch vor wenigen Sekunden stand, eine Bombe explodierte. Das neu geschenkte Leben nutzt die Mutter gleich, um sich mit einem jungen Schönling eine heiße Nacht im Flughafenhotel zu gönnen. Dorthin wurden all jene gebracht, die den Bombenanschlag leidlich unverletzt überlebten. Und dort kommen die vier Hauptpersonen sich so nah, wie sie warscheinlich in ihrem ganzen Leben noch niemandem gekommen sind.

Sergi Belbels Komödie rund um die mobile Kommunikation beginnt flott. Zwei Frauen eilen zum Flughafen. Die Mutter die eine, die Tochter die andere. Die Mutter soll nach ettlichen Selbstmordversuchen in den Urlaub fliegen. Die Tochter, die sich ständig verantwortlich fühlt, bleibt allein und hilflos zurück. Ein Mann sitzt auf dem Sofa und schreit in sein Handy.

Überhaupt schreien die Besitzer häufig ihre Mobiltelefone an. Die Protagonisten sind allesamt überspannt und hochexplosiv. Alle sind in Lebenssituationen verstrickt, denen sie mit aufgeladenen Telefonaten beizukommen versuchen. Es geht von Handy zu Mailbox und wieder zurück. Per Telefon wird die Beziehung beendet. Per Telefon wird Liebesentzug angedroht. Per Telefon wird mit dem Exfreund abgerechnet.
"Die vier Personen sind alle einsam, sie haben alle gescheiterte Beziehungen hinter sich und sind kaum beziegungs- und lebensfähig," erklärt die Regisseurin Naemi Zoe Keuler von der Theatergruppe der Universität Hohenheim. Die Gespräche der vier Darsteller bleiben an der Oberfläche oder laufen ins Leere. "Sergi Belbel zeigt mit seinem Stück, wie wenig in unserer Zeit noch wirklich miteinander gesprochen wird. Früher saßen die Menschen in Spanien und anderswo zu Gesprächen noch auf der Straße. Heute telefonieren die Menschen, ohne sich etwas über das eigene Leben mitzuteilen", meint Keuler.
Der spanische Autor Sergi Belbel ist derzeit an vielen Theatern angesagt. So war es denn etwas mühsamer als gewohnt, die Spielrechte für "Mobil" zu bekommen. Bisher haben die Studenten eher Komödien oder Klassiker auf die Bühne gebracht. Nach "Arsen und Spitzenhäubchen", Kishons "Lerche" und Klassikern von Dürrenmatt bis Schiller wollte man mal etwas Neues wagen. Durch sein Tempo bekommt das Stück aus Katalanien zwar komödiantische Schattierungen, alles in allem bleibt es jedoch eine nicht ganz so leicht verdauliche Kost.

Das Beziehungsgeflecht der vier Hauptdarsteller ist - wie im wirklichen Leben - erst allmählich zu durchschauen. Doch ehe der Zuschauer dabei eine echte Überraschung erlebt, kommt es schon zu weiteren Irrungen und Wirrungen. Erst als die Bombe explodiert ist und die Telefonate so allmählich von direkten Gesprächen abgelöst werden, scheint es aufwärts zu gehen. Die Handys sind weg, doch ob die vier deshalb besser in den Griff bekommen, bleibt offen. Dem Zuschauer bleiben die Hoffnungen und ein Abend mit rasanten Einlagen.

Ein Bericht von Monika Johna, Stuttgarter Zeitung, Blick vom Fernsehturm


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